„Dies ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen“
Im Katechismus verankert stösst der erneuerte Alleinigkeitsanspruch der römisch – katholischen Kirche, die einzig wahre Kirche Christi zu sein, auf kontroverse Reaktionen.
In der starken Betonung traditioneller Positionen des Vatikans durch Papst Benedikt XVI. sehen die protestantischen Bischöfe einen schweren Rückschlag für die Ökumene.
Die jetzt so sehr ins Interesse der Öffentlichkeit gerückten Äußerungen des Papstes machen insofern Angst, als zu befürchten ist, dass die, die jetzt in der Gesellschaft wieder lautstark Stimmung machen, eben nicht sauber trennen zwischen den nach wie vor für alle wichtigen und gültigen Glaubensinhalten und dem „Anspruch auf Wahrheit“ der Institution.
Diese ganze Diskussion ist in ihrer Dimension etwas für die Theologen, Philosophen und Kleriker und insgesamt so umfassend, um hier auch nur einen Bruchteil wirklich kompetent und „allgmeingültig“ zu kommentieren. Aber genau hier liegt das größte Problem: am lautesten schreien jetzt wieder diejenigen, die eigentlich am wenigsten Ahnung davon haben. Natürlich ist es zumindest äußerst ungeschickt, dass es diesem Papst immer wieder gelingt, durch seine Art der Formulierung und durch die Wortwahl dieses riesige Protestgeheul zu provozieren. (Und in dieser Richtung hat ja auch der Mainzer Kardinal Lehmann einen Kommentar abgegeben!) Er sollte da wirklich klüger agieren, denn er hat auch den nicht theologisch versierten Menschen gegenüber eine Verantwortung, die er sträflich vernachlässigt! Und das solle man den Papst in aller Deutlichkeit vorwerfen
Es ist sehr zu bedauern , dass die Ökumene nicht schneller vorankommt! Es ist sehr viel wichtiger, die Gemeinsamkeiten zu betonen, als die Unterschiede. Man kann die ganzen Diskussionspunkte wie fast alles im Leben von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite gibt es im „einfachen Volk“ sicher viele, die genaue Richtlinien, Regeln, Gesetze als Orientierungshilfe brauchen, so wie es andererseits auch viele gibt, die sich selbst orientieren können und eine eigene Meinung zu den Dingen entwickeln können – wer wollte beurteilen, was da richtig und was falsch ist? Viele wären sicher verwirrt, wenn heute plötzlich nicht mehr gelten würde, was gestern noch galt (wenn z.B. die Sakramente anders gewertet würden) – und umgekehrt wird es immer welche geben, die sich eingeengt fühlen von Regeln und Richtlinien. Darum muss auf jeden Fall sehr sorgsam mit Änderungen umgegangen werden. Und in diesem Fall sollte man auch gegen ein überstürztes Überbordwerfen von Traditionen, denn jede Unüberlegtheit wird nur die inhaltliche Substanz aufweichen. Und das kann keiner wirklich wollen.
So gesehen hat auch der Papst nicht wirklich etwas GEGEN die Protestanten gesagt – und ob sie sich nun „Kirche“ nennen (dürfen) oder nicht, ist reine Haarspalterei, die den Gläubigen nicht wirklich hilft, sich zu orientieren. Es ist eine Frage für die Wissenschaftler – s.o.
Einen weiterer Gedanken dazu: Nach den beiden Weltkriegen, vor allem in den „wilden“ 50er und 60er Jahren, gab es eine rasante Entwicklung weg von den Kirchen in eine Säkularisierung. Und was geschah? Aller spiritueller Orientierung beraubt, begannen sich die Menschen an den asiatischen Religionen zu orientieren. Scharenweise zogen die Hippies nach Indien und meditierten in den magischen, tantrischen Mantras, und es kamen massenweise asiatische Gurus in den Westen. Und wie lange hielt dieser Boom an? Genau so lange bis die ersten Sekten durch autoritäre, totalitäre, kriminelle und kapitalistische Machenschaften in die Schlagzeilen gerieten…….
Es führt immer zur Katastrophe, wenn die Gläubigen, welcher Couleur auch immer, ihr eigenes Denken aufgeben und sich kritiklos Machtgeilen „Religionsführern“ unterordnen – das war im Mittelalter bei den Christen so, das ging in den Pogromen vor allem des 3. Reiches gegen die Juden, das war in den 60ern bei den asiatischen Sekten (z.B. Moon-Sekte etc.) so (und ist es teilweise heute noch, wenn auch nicht mehr so zahlreich) und das ist aktuell vor allem im Islam so!
Und was ist heute das Ende vom Lied? Wir leben heute in einer zum großen Teil dekadenten „Mit Glauben hab ich nix am Hut“-Spaßgesellschaft, die vorm kommerziellen TV langsam aber sicher verblödet.
© 17. Juli 2007 Hermann Stehr
foto: n.schmitz, pixelquelle.de
bildbearbeitung: d. bischof
Informationshinweise:
Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann
Inoffizielle deutsche Arbeitsübersetzung Motu Proprio Summorum Pontificum – PDF Datei 40 kb
Brief an die Bischöfe anlässlich Motu Proprio data Summorum Pontificum vom 7. Juli 2007
Inoffizielle deutsche Arbeitsübersetzung Motu Proprio Summorum Pontificum – PDF Datei 40 kb

