Konservative Eliten bringen im Januar 1933 die Nazis an die Macht
Als das Schicksalsjahr im Januar 1933 für die Deutschen anbricht, atmet das liberale Bürgertum auf; das bedrohliche und unsägliche Jahr 1932 ist vorbei.
Die NSDAP hat mit der Wahl im Sommer 1932 zwar ihren Höhepunkt erreicht, aber Reichspräsident Hindenburg hat Adolf Hitler die Kanzlerschaft versagt. Bei der Neuwahl im Herbst ´32 haben sie sogar fast 2 Millionen Stimmen eingebüßt und die renommierte „Frankfurter Zeitung“ urteilte „Der gewaltige nationalsozialistische Angriff auf den demokratischen Staat ist abgeschlagen“. Vier Wochen später, 30.01.1933, ist Hitler dennoch Kanzler und seine Schreckensherrschaft beginnt. Wie konnte das geschehen?
Die Anfänge der NSDAP
Die NSDAP ging aus der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) *durch deren Umbenennung am 24. Februar 1920 hervor. Die Gründung erfolgte im Münchener Hofbräuhaus. An diesem Tag veröffentlichte die Partei ihr 25-Punkte-Programm mit den Hauptpunkten Aufhebung des Versailler Friedensvertrages, Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft von Juden und „Stärkung der Volksgemeinschaft“. Kurz danach begann die NSDAP die ersten Mitgliedsausweise auszugeben. Und da sie nicht als unbedeutende Kleinstpartei dar stehen wollte, begann das offizielle Parteiverzeichnis mit der Nummer 501. Hitler wurde in diesem Verzeichnis mit der Nummer 555 geführt. Bis 1923 konnte sie vor allem in Bayern größeren Anhang gewinnen und nahm am 9. November 1923 die durch Ruhrkampf und Inflation desolate Lage im Deutschen Reich zum Anlass für den Hitler – Ludendorff – Putsch.
Nach dem Scheitern des Putsches wurde die Partei am 23. November 1923 durch General Hans von Seeckt verboten, das gesamte Parteivermögen konfisziert, die Geschäftsstelle in München geschlossen und der Österreicher Hitler zu Festungshaft */2 verurteilt.
Nach der Entlassung A.Hitlers im Dez.1924 begann er mit der Reorganisation und im Februar 1925 wurde die NSDAP neu gegründet. Bei der Reichstagswahl 1928 kam sie nur auf 2,8 Prozent, ungefähr so viel, wie in heutiger Zeit rechtsextremistische Parteien erreichen. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise begann auch der Aufstieg der NSDAP. Die Arbeitslosigkeit wuchs bis Februar 1932 auf 6,1 Millionen-eine Quote von 30%, dazu kam noch die politische Instabilität: in 14 Jahren Weimarer Republik wechselte die Regierung 20-mal und immer mehr Arbeitslose zog es zu den Kommunisten und Nazis. Beide Seiten lieferten sich Straßenkämpfe mit Toten und Verletzen. Auch Teile aus dem Mittelstand die sich vor Bolschewisierung des Landes und sozialen Abstieg fürchteten, wandten sich der NSDAP zu. Die Machtelite setzte auf ein Ende der verachteten Parlamentsdemokratie.
Doch Ende 1932 ging es mit der Wirtschaft langsam aufwärts und die Arbeitslosenzahlen wurden rückläufig. Von der Weigerung Hitlers sich unter einem anderen Kanzler an der Regierung zu beteiligen, wandten sich bei der Wahl im September ´32 viele Wähler von der NSDAP ab. Der SA liefen die Mitglieder davon und Hitler trug sich mit Selbstmordgedanken.
In dieser Situation dachte die rechte Machtelite, die geschwächte aber immer noch starke NSDAP für sich Instrumentalisieren zu können: sie sollen einen autoritären Regime die Massenbasis verschaffen, aber nicht die alleinige Macht bekommen. Der als Kanzler gescheiterte Franz von Papen schmiedete hinter dem Rücken seines Nachfolgers Kurt von Schleicher ein Bündnis mit Hitler. Zu Hilfe kam ihn dabei wohl auch ein Wahlergebnis Anfang Januar1933. Im Wahlkreis Lippe kam es zu einer Nachwahl, bei der die NSDAP ein grandioses Ergebnis erzielte.
Bei dem von Papen eingefädelte Bündnis handelte es sich um die reaktionäre „Deutschnationale Volkspartei“ (DVP), um die nationalistische Organisation „Stahlhelm“ und um die NSDAP. Hindenburg- der Hitler nicht mochte und ihn im internen Kreis nur als „böhmischen Gefreiten“ bezeichnete- willigte ein.
Kurt von Schleicher tritt am 28. Januar mangels Mehrheit im Reichstag zurück, zwei Tage später, am Vormittag des 30. Januar, vereidigt Hindenburg die neue Regierung Hitler/Papen. Von anfangs neun Kabinettmitgliedern waren nur drei aus der NSDAP; Hitler als Kanzler, Wilhelm Frick und Hermann Göring. Hitler verspricht, die Verfassung zu erhalten. Nach der kurzen Zeremonie sagte Hindenburg:“Und nun, meine Herren, vorwärts mit Gott!“. Von Papen wird seine Verkennung des Kräfteverhältnisses später mit der Bemerkung belegen, man habe Hitler engagiert und werde ihn „so in die Ecke drücken, das er quietscht!“
Am Abend des 30.01.1933 ziehen über 20 000 SA-Leute und Stahlhelm-Angehörige in einem stundenlangen Fackelzug durch das Brandenburger Tor und die Wilhelmstraße hinunter. Tausende beobachten diesen Zug und an einem Fenster der Reichskanzlei stand auch Hitler und ein Teil der Regierungsmannschaft. Der Rundfunk brachte sogar eine Live – Berichterstattung, die von den Nazis durchgesetzt worden ist. Kurt Tucholsky hörte am Radio mit und prägte die Worte:“Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte“. Für die meisten anderen war es nur ein Regierungswechsel dem man keine große Zukunft bzw. langer Dauer einräumte.
Wenige Monate später sieht dies alles anders aus. Der Schwung der neuen Machthaber und die ansteigende Konjunktur gefallen den Menschen. Nach dem Reichstagbrand vom 28.Februar bricht aber der bis dahin gezügelte Terror der SA und SS richtig los. Dieser Terror richtete sich gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und vor allem gegen Juden. Am ende des Jahres 1933 sind nach halbamtlicher Statistik 100 000 Menschen verhaftet, und die ersten 600-darunter auch Juden- sind ermordet worden. Zwölf Jahre später ging die Zahl in die Millionen.
Chronik des Jahres 1933
30. Januar
Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler
01.Februar
Auf Wunsch Hitlers löst Hindenburg den Reichstag auf
04.Februar
Versammlungs- und Pressefreiheit werden per Notverordnung erheblich eingeschränkt
27.Februar
Der Reichstag wird in Brand gesetzt. Die Nazis nehmen das zum Anlass für Massenverhaftungen. Einen Tag später setzen weitere Notverordnungen die politischen Grundrechte außer Kraft. Die KPD wird verboten.
05.März
Bei der letzten Reichstagswahl wird die NSDAP mit 43,9 Prozent stärkste Partei, verfehlt aber die absolute Mehrheit.
21./22.März
In Oranienburg und Dachau werden die ersten Konzentrationslager errichtet. Drei Wochen später werden in Dachau die ersten Häftlinge ermordet.
23.März
Der Reichstag verabschiedet das „Ermächtigungsgesetz“. Hitlers Regierung kann nun Gesetze ohne das Parlament erlassen.
01.April
Die Nazis organisieren einen gewaltsamen Boykott jüdischer Geschäfte
07.April
Die deutschen Länder verlieren mit der Einsetzung von Reichsstatthaltern ihre Eigenständigkeit. Ein weitgehendes Berufsverbot für jüdische und regimekritische Beamte wird verhängt
01.Mai
Der 1.Mai wird erstmals als Feiertag begangen. Einen Tag später werden die Gewerkschaften verboten.
22.Juni
Die SPD wird verboten
14.Juli
Das „Gesetz gegen Neubildung der Parteien“ macht Deutschland zum Einparteienstaat.
14.Oktober
Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus.
Siehe auch die nachfolgende Liste, sie entspricht nicht der Vollständigkeit!
29. Januar 2008 Hermann Stehr
*Die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) wurde von Anton Drexler und Michael Lotter, einem frisch entlassenem Marinesoldaten, am 5. Januar 1919 (acht Tage vor der nächsten Wahl in Bayern) in München im Café Gasteig gegründet
*/2 Die Festungshaft (auch als Festungsstrafe, in Österreich zeitweise als Staatsgefängnis bezeichnet) war bis 1945 eine im Strafgesetzbuch definierte besondere Form der Freiheitsstrafe.
Festungshäftlingen billigte man eine ehrenhafte Gesinnung zu. Die Festungshaft wurde daher auch als Ehrenhaft bezeichnet. Sie war eine custodia honesta (lateinisch nicht entehrende Strafe) ohne Arbeitszwang. Sie ersetzte sowohl Zuchthaus als auch Gefängnis und wurde vorwiegend gegen Angehörige höherer Stände, bei politischen Straftaten oder gegen Duellanten verhängt.
Quellen:
de.wikepedia
Dattelner Morgenpost
| Name | NSDAP | Andere Parteien | Amt/Ämter |
| Hans-Adolf Asbach | 1933–1945 | ab 1950 GB/BHE bzw. | Minister für Soziales, Arbeit und Flüchtlingsfragen bzw. Stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein |
| Harri Bading | 1937–1939 (Austritt) | 1928–1937 SPD, ab 1945 wieder SPD | Mitglied des Deutschen Bundestages für die SPD |
| Walter Bartram | 1937–1945 | 1920–1933 DVP, ab 1946 CDU | 950–1951 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein |
| Walter Becher | 1931–1945 | ab 1947 DG, ab 1954 GB/BHE, ab 1967 CSU | 1956–1958 Vorsitzender des Witikobundes, 1968–1982 Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, 1950-1962 Landtagsabgeordneter in Bayern für DG und GB/BHE, 1965–1980 Mitglied des Deutschen Bundestages für die CSU |
| Kurt Birrenbach | 1933–1945 | ab 1953 CDU | Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU |
| Otto Fürst von Bismarck | 1933–1945 | DNV, ab 1946 CDU | Mitglied des Deutschen Bundestages |
| Herbert Blankenhorn | 1938-1945 | ab 1946 CDU | Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes |
| Karl von Buchka | bis 1945 | DVP, ab 1948 CDU | Mitglied des Deutschen Bundestages |
| Ewald Bucher | bis 1945 | 1950–1972 FDP/DVP, ab 1984 CDU | 1962–1965 Bundesminister der Justiz, 1965–1966 Bundesminister für Wohnungswesen und Städtebau |
| Herbert Böhme | 1931–1945 | ab 1965 NPD | |
| Karl Carstens | 1940–1945, ab 1933 auch SA | ab 1953 CDU | Deutscher Bundespräsident |
| Rolf Dahlgrün | bis 1945 | ab 1949 FDP | 1962–1966 Bundesminister der Finanzen |
| Fritz Dorls | 1929–1945 | ab 1946 CDU, 1949 GuD / DKP-DRP, ab 1949 SRP | Vorsitzender der SRP |
| Georg Ferdinand Duckwitz | 1932–1945 | Botschafter, Staatssekretär | |
| Hans Egon Engell | bis 1945 | ab 1950 GB/BHE | Mitglied des Deutschen Bundestages |
| Hasso von Etzdorf | 1933–1945 | Deutscher Generalkonsul in Genua | |
| Heinrich Fassbender | 1931–1933 | ab 1919 DNVP, ab 1945 NDP, ab 1946 FDP, ab 1955 DP, ab 1962 DNVP, ab 1964 NPD | Mitglied des Deutschen Bundestages |

