1,36 Euro für Schuldbedarf?

Recht auf Bildung= Chancengleichheit?
Nun ist es bald wieder soweit, und 10.000de Kinder werden zum ersten Mal die Schule besuchen. Aber was kommen da an Kosten für die Eltern entgegen. Beim Schulstart stehen Kinder aus Hartz IV- Bedarfsgemeinschaften schon in der 2. Reihe.

Die Grundausstattung eines Erstklässlers, Malkasten, Bundstifte, Sportzeug, Turnbeutel und natürlich auch die Bücher schlagen mit Durchschnittlich 167€ zu Buche, am Beginn des 2. Schuljahres sind es 69€.

Der Regelsatz für Hartz IV- Empfänger sieht KEINE zusätzlichen Mittel für Schulbedarf vor! Unter „Sonstiges“ sind gerade mal 1,36€ für Schreibwaren eingerechnet. Auch die sogenannte „Lernmittelbefreiung“ beim Kauf von Schulbüchern ist NICHT vorgesehen solange Hartz IV-Empfänger arbeitsfähig sind. Ausnahmen sind Arbeitsunfähige die das Sozialgeld beziehen.

Der Diözesancaritasverband Münster kritisiert schon seid längeren das Kinder aus Sozialschwachen Familien von Anfang an und auf vielfältige Weise benachteiligt sind und somit später auch schlechtere Starchancen bei Ausbildung und Beruf haben. Einmalige Beihilfen von Schul- und Unterrichtsmaterialien sollten umgehend wieder eingeführt werden, fordert die Caritas. Außerdem sollte für die betroffenen Kinder KOSTENLOSES Mittagsessen in Horten und Ganztagesschulen angeboten werden, bzw für diese Kinder Preiswerter sein. Das ALG II sehe dafür nur 0,98€ pro Tag vor, der Durchschnittliche Essenpreis liegt aber bei 2,50€.

Um Schulbildung für viele erschwinglich zu machen, haben sich in den Städten und Kreisen private Initiativen gebildet und z.b. Spendenfonds eingerichtet, aus dem Schulbücher für die betroffenen Kinder finanziert werden. Bei entsprechender Bescheinigung vom Schulamt kann dann die Erstattung für Bücher beantragt werden. In den Läden der Caritas und Diakonie ist Schulmaterial Mangelware und sind deshalb auch in diesem Sektor auf Spenden angewiesen um betroffene Kinder den günstigen Einkauf von Heften und Radiergummi zu ermöglichen.

Ausgegrenzt sind die betroffenen Kinder auch beim Besuch von städtischen Einrichtungen, wie der Besuch eines Schwimmbades oder ein Kurs bei der Musikschule. Auch VHS oder Buchausleihe der Stadtbibliothek ist für diese Kinder ein Fremdwort.

Not der Familien hat sich verschärft

Zahlen aus dem Landes-Sozialbericht NRW:

♦ 2006 hatten 2,6 Millionen Menschen in NRW weniger als 615€ im Monat zur Verfügung. Dies entspricht
14,3% der Bevölkerung

♦ 808500 arme Kinder wurden gezählt, d.h. jedes vierte Kind in NRW ist armutsgefährdet

♦ Der Landessozialbericht 2007, an dem die Freie Wohlfahrtspflege mitwirke, stellt fest, dass sich die Not in armen Familien verschärft hat, weil Regelsätze sich NICHT am Bedarf orientieren.

♦ Die aktuellen Sätze in Sozialhilfe und ALG II:
Regelsatz Erwachsener 347€, Kinder bis 14 Jahre 208€, Jugendliche bis 17 Jahre 278€, Erwachsene die in Ehe oder Lebenspartnerschaften zusammen leben, je 312€

Und unsere Regierung sieht weg!!

© 10. Juli 2007 Hermann Stehr

Quelle: Sozialberichte NRW Online

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