Bei Hartz IV geht bald gar nichts mehr !!

Wie die Mitarbeiter der ARGE das Gespräch mit Kunden zu führen haben ist streng geregelt- durch einen mehrseitigen „Leitfaden“ aus dem Haus der“ Agentur für Arbeit“. Dumm nur, dass die Berater vor lauter Bürokratie kaum noch Zeit finden, sich angemessen um ihre langzeitarbeitslosen Klienten zu kümmern.

Wehmütig blicken die Sozialdezernenten auf die Städte und Kreise die von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, sich im Alleingang um die ALG-II-Empfänger zu kümmern. „Da läuft es einfach besser“ so ein Sozialdezernent. Die Kritik des Sozialdezernenten richte sich nicht gegen die Mitarbeiter der Bundesagentur, die gemeinsam mit den Bediensteten der Sozialämter in den Argen als „Fallmanager“ an der sozialen Front stehen. Was die Arbeit vor Ort hemmt, ist vielmehr die „totale Kontrolle“ die aus Nürnberg ausgeübt wird. Desweiteren sei zu befürchten, dass der Bund die Daumenschrauben noch stärker anziehen will, um das Geschäft der ARGEN noch besser zentral steuern zu können.

Dabei kommen die Mitarbeiter vieler Argen schon heute kaum dazu, ihre eigentliche Arbeit wahrzunehmen. Statt sich um das wesentliche zu kümmern; Langzeitarbeitslose fit zu machen für den 1. Arbeitsmarkt; vergeuden sie die meiste Zeit mit Berichtwesen und Statistik.“Wenn ich 40Minuten Zeit zur Eintragung eines Falles in die Software benötige, bleiben für das Gespräch mit dem betroffenen Menschen nur 10 Minuten“, so ein Mitarbeiter der ARGE, Spielräume gebe es kaum, “was aus Nürnberg kommt, ist Gesetz“.

Was in diesen Tagen aus den Reihen der Sozialdezernenten an die Öffentlichkeit dringt, verschlägt dem Bürger die Sprache: Dümmliche Handlungsanweisungen der „Bundesagentur für Arbeit“ torpedieren die ohnehin schwierige Arbeit der ARGE vor Ort und rauben den Mitarbeitern jegliche Handlungsspielräume, d.h., viele Langzeitarbeitslose, die längst in den Arbeitsmarkt integriert sein könnten, bleiben auf der Strecke. Durch diese Weise wird das Ziel der Hartz-IV-Gesetzgebung ad absurdum geführt, und man wundert sich das da noch kein Aufschrei der Empörung laut und deutlich zu vernehmen ist.

Wer Menschen in eine berufliche Tätigkeit zurückführen will, der braucht oft ein ganzes Bündel von Hilfsangeboten. Neben Beratung, Vermittlung und Qualifizierung gehöre dazu auch die soziale Betreuung. Zur Arbeitslosigkeit kämen vielfach noch Überschuldungs- oder Suchtprobleme hinzu, die in diesem Zusammenhang auch gelöst werden müssten. „Das alles sind Kernkompetenzen der Kommunen“ so ein Sozialdezernent. Das zentralistische Denken der Bundesagentur mache daher eine individuellen Betreuung und unbürokratisches Arbeiten mit den Kunden jedoch fast unmöglich. Ihre Kritik an dem System verstehen die Sozialdezernenten als „Hilferuf an Land und Bund“, denn jeder Langzeitarbeitsloser, der wieder für sich selbst sorgen kann, trägt dazu bei, dass die hoch defizitären Haushalte der Kommunen entlastet werden.

Für die Große Koalition besteht in Sachen Hartz-IV dringender Handlungsbedarf, und da geht es nicht nur um die Anpassung der Hartz-IV-Sätze an die gestiegenen Lebenshaltungskosten wie Milch, Butter, Fleisch usw.

© 23. August 2007 Hermann Stehr

Quelle:
Dattelner Morgenpost

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