Heutige BamS: Peter Hahnes „Gedanken zum Sonntag“ und zur Causa Missfelder

Offener Brief  von HartzIV-Plattform.de an Bild am Sonntag

Sehr geehrter Herr Hahne,

Sie verteidigen in der heutigen BamS Philipp Missfelders Beleidigung von millionen Mitbürgern so:

“Wenn wir doch wissen, wieviele Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen, dann sind Gutscheine allemal besser als Kohle aufs Konto der Eltern.”

Und Sie setzen Ihren Kommentar mit der richtigen Feststellung fort:

“Beim Provozieren darf man pointieren, jedoch nie pauschalieren.”

Leider aber verstoßen Sie in Ihren “Gedanken zum Sonntag” gerade gegen diese von Ihnen aufgestellte Regel und setzen Missfelders Pauschalierung noch eine obendrauf. Da sind nun die Hartz IV-Betroffenen nicht nur die, die millionenfach unter den Generalverdacht des Betruges gestellt werden sondern auch noch diejenigen, die ihre Kinder ohne Frühstück in die Schule schicken.

Ich selber habe als Ernährungsberaterin in Schulen diese Kinder erlebt. Wissen Sie denn nicht, dass es vor allem die Kinder berufstätiger Eltern sind, die im Stress zwischen Berufs- und Elternpflichten für ein wünschenswertes Familienfrühstück keine Zeit mehr finden?
Richtiger Weise diskutiert die Politik – leider viel zu lange – darüber, wie man die Rahmenbedingungen für diese Eltern verbessern kann. Denn: Wenn’s den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut!

Mit welchem Recht und welcher Überheblichkeit maßt sich dieselbe Politik eigentlich an, die Eltern von Hartz IV-Kindern mit Gutscheinen zu bevormunden? Die sind nämlich auch keine schlechteren Eltern und schon gar nicht mehr Alkoholiker als der Rest der Bevölkerung – der das geschickter zu verbergen weiß. Warum billigen Sie diesen Eltern nicht auch bessere Lebensumstände zu, damit sie ihren Kindern ein besseres Leben bereiten können?

Wenn schon Gutscheine, Herr Hahne, dann aber bitte Gutscheine für alle! – Nicht Gutscheine nur für ohnehin unchristlich stigmatisierte Ausgegrenzte.

Damit Sie sich ein besseres Bild davon machen können, welche Menschen unsere Gesellschaft mittlerweile in Hartz IV abgeschoben hat, anbei mein Offener Brief an Philipp Missfelder. Vielleicht nehmen Sie sich auch einmal die Zeit, auf unsere Internetseite http://www.hartz4-plattform.de zu schauen. Da können Sie in der Ausstellung sehen, wer alles von Hartz IV betroffen ist und wie es den Menschen tatsächlich ergeht.

Mit freundlichen Grüßen

Brigitte Vallenthin

Wiesbaden, 22. Februar 2009

Hartz4-Plattform e.V.
Keine Armut! – kein Hunger! – kein Verlust von Menschenwürde!
Bürgerinitiative für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens sowie die Information und Unterstützung von Hartz IV-Betroffenen

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