Augen auf bei der Berufswahl !

oder

Wie werde ich schamlos?

18 Monate nach seinem Rauswurf bei der Hypo Real Estate (HRE) will der Ex-Chef Georg Funke nun gerichtlich gegen seine Kündigung klagen und rund 3,5 Millionen Euro Gehalt nachfordern. Sollte er gewinnen, müssten die Steuerzahler für die Millionenrechnung aufkommen, da die HRE inzwischen vollständig dem Staat gehört, also auch uns Steuerzahlern!

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Funke selbst bei dem Gerichtstermin erscheint. In dem sogenannten Urkundsprozess werden weder Zeugen noch Sachverständige gehört, sondern nur der Arbeitsvertrag geprüft. Eine vorläufige Entscheidung ist direkt im Anschluss möglich. Funke sei nicht geladen und könne sich durch einen Anwalt vertreten lassen, sagte ein Sprecher des Gerichts.

Im Drama um die HRE spielte Georg Funke im Herbst 2008 die Hauptrolle: Unter seiner Führung war die HRE fast kollabiert und musste mit Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro Steuergelder gerettet werden. Dass ausgerechnet er um Millionen streiten will, sorgte unter anderem auch bei Aktionärsschützern für Fassungslosigkeit.

Aber auch Funkes Nachfolger Axel Wieandt sorgte für Schlagzeilen, als er Ende März überraschend seinen Posten räumte. Zu den Hintergründen hieß es lediglich, Wieandt habe wegen „unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Geschäftsleitung“ zwischen ihm und dem Bankenrettungsfonds SoFFin seinen Rücktritt angeboten. Auch soll es unterschiedliche Vorstellungen über das Gehalt gegeben haben.

Wieandt kann sich allerdings auf eine stattliche Betriebsrente seines Arbeitgebers einstellen. Einem Bericht des Magazins „Stern“ zufolge, stehen Wieandt vom 60. Lebensjahr an pro Jahr rund 237.000 Euro zu. Ein Sprecher der HRE verwies auf den jüngsten Geschäftsbericht der Bank, in dem die Zahlungen geregelt sind.

Die HRE legte letzte Woche in München die Zahlen für das erste Quartal vor. Der Konzern steckt noch immer tief in den roten Zahlen und sieht frühestens für 2012 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Unter dem Strich häufte die HRE bis zum Jahresende 2009 ein Minus von rund 2,2 Milliarden Euro an.

Geht es Georg Funke nur um ein paar Millionen? Oder ist für ihn eine Frage des Prinzips? Funke scheint jedenfalls immer noch der Überzeugung zu sein, dass die Welt einfach gegen ihn ist. Dass er an diesem ganzen, unfassbaren Desaster namens Hypo Real Estate in Wahrheit nicht Schuld ist. Seine Kündigung empfindet Funke als grobe Ungerechtigkeit. Deshalb hat der Ex-HRE-Chef – ebenso wie zwei weitere geschasste Manager – geklagt. . Weil sein Arbeitsvertrag eigentlich bis 2013 lief. Dass das nicht unbedingt gut ankommt, weiß er wohl.

In der Erwiderung auf Funkes Klage zeichnet die Bank deshalb mit allerlei pikanten Details das Bild eines Chefs, der in seinem ungezügelten Ehrgeiz das ganze Institut mit einer Bilanzsumme von fast 400 Milliarden Euro ins Verderben führte. Und vor allem: Grobe Fehler bei der 5,7 Milliarden Euro teuren Übernahme der irischen Depfa-Bank 2007. Der Erwerbsprozess habe „derartige Mängel“ aufgewiesen, dass Funke dem Deal „auf dieser Grundlage nicht hätte zustimmen dürfen“. Als Georg Funke das irische Institut für sich und die HRE entdeckte, ließ die Finanzkrise ihr erstes Donnergrollen vernehmen. In den USA hinterließen notleidende Hypothekenkredite ihre ersten Spuren in den Bankenbüchern. Ende Juli geriet die deutsche Mittelstandsbank IKB in den Strudel der Krise. Und genau in dieser Zeit ließ sich Funke nach Darstellung der HRE auf ein Geschäft ein, das unkalkulierbare Risiken barg. Schließlich sei schon in einer Sitzung des Risk Committees der Depfa-Bank am 4. September 2007 ausdrücklich eingeräumt worden, „dass die Depfa-Bank kurz zuvor ‚praktisch zahlungsunfähig‘ gewesen sei“.

Gier und Größenwahn“ betitelte der Journalist Hubert Seipel seine Dokumentation deshalb schlicht, welche die ARD im März – allerdings spät nachts – laufen ließ. Getrieben von dem unstillbaren Drang nach Größe habe Funke eindeutige Hinweise der eigenen Betriebsprüfer in den Wind geschlagen, berichtete Seipel. Fernsehreporter Hubert Seipel, der mit Fernsehteams zur Depfa-Zentrale in Irland reiste, hat alle maßgeblichen Protagonisten der Rettung interviewte und Unmengen an vertraulichem Material zusammengetragen. Das Fazit des Grimmepreisträgers lautet: Funke hat die HRE fahrlässig gegen die Wand gefahren.

Und die Politik ließ ihn gewähren, frühzeitige Warnungen der Bankenaufsicht blieben ungehört.

Jedenfalls könnten die Darstellungen Funke im Prozess ab diesem Donnerstag mächtig in die Bredouille bringen. „Was dort dargestellt wird, wäre eine gravierende Pflichtverletzung“, sagt Alexander Greth, Arbeitsrechtexperte bei der Düsseldorfer Kanzlei Simmons & Simmons. Zwar bergen unternehmerische Entscheidungen immer ein Risiko. Aber Funke sei verpflichtet gewesen sich ausreichend zu informieren, sagt Greth. Das sei nach Darstellung der HRE nicht geschehen

Allerdings muss die Bank ihre Vorwürfe vor Gericht auch nachweisen. Denn ansonsten gilt

Vertrag ist Vertrag

Wer aber unsere Gerichtsbarkeit kennt, kann sich schon im Vorfeld ausmalen wie das Urteil lauten wird. Herr Georg Funke wird sein Geld bekommen, und es ist Recht gesprochen worden. Wenn es um die Ausgaben von Steuergeldern geht, ist unsere Regierung mehr als nur spendabel. Hat gestern nicht Herr Schäuble sich ausdrücklich bei Herrn Ackerman, Chef der Deutschen Bank, bedankt, da Herr Ackemann sich an der Hilfe zu Griechenland sich mit 1-2 Milliarden Euro beteiligen will? Der geneigte Leser wird wohl noch wissen wer Schäuble ist, ein Mann der vergessen hat wo 100.000DM hergekommen sind! Bei soviel Sachverstand und Kompetenz dürfte es doch kein Problem für Herrn Funke werden. Notfalls können ja noch die Kapitalfreunde A.Merkel oder G. Westerwelle sich da einmischen.

Und deswegen

Augen auf bei der Berufswahl … Bankmanager ist schon ein feiner Job!

 

06. Mai 2010 Hermann Stehr

 

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